Die Festspiele Wismar laden auch 2016 wieder zu kurzweiligen und beeindruckenden Aufführungen. In diesem Jahr neben dem „Jedermann“ auch „Faust“.

 

„Jedermann“– das unterhaltsame und farbenprächtige Spektakel vom Sterben eines reichen Mannes, dass bei allem Witz und Schalk heutiger nicht sein kann.

Jedermann ist ein „Reicher“, der von „Zins und Renten“ seines Besitzes üppig lebt. Seine Gastmähler und Feste werden gerühmt. Seiner Geliebten lässt er für teures Geld ein Haus bauen, auf Mahnen und gute Ratschläge hört er nicht. Jedermann ist genusssüchtig und egoistisch. Sein Motto: Ich nehme, was ich will und zwar sofort, denn es gibt nichts, was man mit Geld nicht kaufen kann.

Doch dann sieht er sich plötzlich dem Tod gegenüber und schmerzlich wird ihm bewusst, dass sich alle seine vermeintlichen Freunde von ihm abwenden. Da helfen kein Geld und kein Versprechen. Sein Reichtum vermag gar nichts und ist wertlos geworden…

Die Fragen, die in diesem Stück behandelt werden sind „Ewigkeitsfragen“ und das Kernmotiv des Stoffes – die unvermittelte Konfrontation des Menschen mit dem Tod – hat in der Geschichte immer zu künstlerischer Veranschaulichung gedrängt.

Das ein Mensch reich ist, sich alles leisten kann, prassen und verschwenden während sein Mitmensch in Not und Armut lebt, war Konfliktstoff zu allen Zeiten. Und immer war der Reiche auch mittelbar Gläubiger und Fronherr des Armen. Der „Jedermann“ behandelt diese Thematik in einem religiösen Kontext. Heute subsummieren wir die gleichen Probleme unter dem Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“. Der Jahrhunderte alte Stoff hat nichts von seiner Aktualität verloren.

 

„Faust“ ist die berühmte Geschichte eines Menschen, der „vom Himmel die schönsten Sterne fordert, und von der Erde jede höchste Lust.“ Und wie er zur Durchsetzung seiner Interessen sogar mit dem Teufel paktiert. Aus der Volksbuchtradition stammend, auf Jahrmärkten als Puppenspiel aufgeführt, hat dieser Stoff den jungen Goethe so fasziniert, dass er sein Leben lang daran gearbeitet hat. Die totale Umwälzung der Welt durch den modernen Menschen sah er bereits kritisch voraus und verlieh diesem Klassiker eine hochaktuelle Brisanz.

Kurzweilig, weitsichtig und niemals schulmeisterlich – „Da steh ich nun ich armer Tor! … und bin so klug als wie zuvor!“

Was also ist „Faust“? Das Drama der Deutschen? Welttheater? Die Tragödie des exaltierten Subjekts? Eine Komödie, in der Mensch und Teufel ihre Kräfte messen – mit dem Herrn als Supervisor? – eben das! – nicht mehr und nicht weniger!